Die Fassade ist eine der letzten großen Entscheidungen vor der Fertigstellung und die sichtbarste. Klinker hält länger als Putz und braucht keinen Anstrich, kostet in der Anschaffung aber deutlich mehr. Hier steht, was hinter dem Begriff steckt, welche Konstruktion du wirklich bekommst und woran du im Angebot erkennst, ob sie fachgerecht geplant ist.
Klinker, Vormauerziegel, Riemchen: die Begriffe sind nicht dasselbe
Im Alltag heißt jede Ziegelfassade „Klinker“. Die Norm sieht das anders. Verblendziegel werden nach DIN EN 771-1 in Verbindung mit DIN 20000-401 geregelt, und dort gibt es zwei Sorten: Vormauerziegel und Klinker. Klinker sind so hoch gebrannt, dass die Oberfläche sintert. Nach DIN 105-100 darf ihre Wasseraufnahme höchstens 6 Masseprozent betragen. Für Vormauerziegel gibt es keine normative Obergrenze, ihre Wasseraufnahme liegt rohstoffbedingt höher. Jeder Klinker ist ein Vormauerziegel, umgekehrt gilt das nicht.
Für dich heißt das: Wenn im Angebot „Klinkerfassade“ steht, sagt das noch nichts über den Stein. Lass dir das Produktdatenblatt mit Wasseraufnahme, Druckfestigkeit und Frostwiderstandsklasse geben. Für die bewitterte Fassade gehört die Frostbeständigkeit nachgewiesen, sonst kaufst du Handformoptik mit offenem Porensystem.
Klinkerriemchen sind etwas ganz anderes. Sie sind dünne Scheiben, die direkt auf die Wand oder auf ein Dämmsystem geklebt werden. Kein eigener Wandaufbau, kein Luftspalt, keine eigene Gründung. Optisch fällt der Unterschied kaum auf, konstruktiv und im Preis liegen Welten dazwischen.
Was beim Verklinkern konstruktiv passiert
Beim echten Verklinkern steht eine zweite Mauerwerksschale vor der tragenden Wand, üblicherweise 11,5 cm dick. Sie trägt keine Deckenlasten, nur ihr eigenes Gewicht und die Windlast. Verbunden werden die Schalen mit Drahtankern aus nichtrostendem Stahl nach DIN EN 845-1, und ab einer bestimmten Höhe muss die Verblendschale nach DIN EN 1996-2/NA geschossweise auf Konsolen abgefangen werden.
Für den Raum zwischen den Schalen gibt es zwei übliche Varianten, und der Unterschied gehört ins Angebot:
- Mit Luftschicht und Dämmung. Zwischen Dämmung und Verblender bleibt ein durchgehender Spalt, der Feuchte abführt. Nach DIN EN 1996 kann die Luftschicht auf 4 cm reduziert werden, wenn zusätzlich gedämmt wird.
- Als Kerndämmung ohne Luftschicht. Der Zwischenraum wird vollständig gefüllt, der Dämmstoff muss dafür dauerhaft wasserabweisend sein. Diese Variante ist heute der Normalfall, weil sie bei gleichem Schalenabstand mehr Dämmung erlaubt.
Der maximale Abstand zwischen den Schalen liegt nach DIN EN 1996-1-1/NA bei 15 cm. Das begrenzt, wie viel Dämmung überhaupt hineinpasst, und ist der Punkt, an dem eine Klinkerfassade im Neubau energetisch anders geplant werden muss als ein Wärmedämmverbundsystem.
Am Fußpunkt der Verblendschale sitzen Entwässerungsöffnungen, meist als offene Stoßfugen in der untersten Steinlage. Sie leiten Wasser ab, das durch Fugen eindringt. Die aktuelle Normenreihe DIN EN 1996 nennt dafür keine Mindestfläche mehr. Die zurückgezogene DIN 1053-1 gab je 20 m² Wandfläche 7.500 mm² bei Konstruktionen mit Luftschicht und 5.000 mm² ohne Luftschicht an, und daran orientiert sich die Praxis weiterhin. Dienen die Öffnungen zugleich der Belüftung, liegen sie mindestens 10 cm über Gelände. Schau dir die unterste Reihe an, bevor das Gerüst fällt. Zugemörtelte Öffnungen siehst du später nicht mehr, ihre Folgen dafür umso deutlicher.
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Rechne den Aufbau einmal durch, bevor du dich entscheidest. 17,5 cm Innenschale, 14 cm Dämmung und 11,5 cm Verblender ergeben eine Außenwand von rund 43 cm plus Innenputz. Das kostet dich Wohnfläche bei gleicher Außenkontur, verschiebt die Grenzabstände und macht die Fensterlaibungen tiefer. Wer knapp an der Baugrenze plant, sollte das vor dem Bauantrag wissen.
Klinker oder Putz
Die Klinkerfassade braucht keinen Anstrich. Das ist ihr härtestes Argument, denn eine Putzfassade wird nach Herstellerangaben und Erfahrungswerten je nach Exposition und Farbe etwa alle zehn bis fünfzehn Jahre neu gestrichen, und dafür steht jedes Mal ein Gerüst am Haus. Beim Klinker beschränkt sich die Pflege auf gelegentliches Reinigen und nach vielen Jahren eine Fugensanierung. Lebensdauern von 100 Jahren und mehr werden von Herstellern und Fachverbänden genannt. Belastbar ist daran vor allem, dass die Frostwiderstandsprüfung mindestens 100 Frost-Tau-Wechsel verlangt, nicht dass jede Fassade so alt wird.
Putz ist günstiger, farblich frei und lässt sich umstreichen, wenn dir die Farbe nach zwölf Jahren nicht mehr gefällt. Dafür reißt er, und Risse an der Wetterseite sind kein Schönheitsfehler, sondern ein Feuchteweg. Was beim Verputzen zu beachten ist, gerade bei Untergründen wie Ytong, steht im Beitrag Haus verputzen.
Eine Mischfassade ist der übliche Kompromiss: Klinker an der Wetterseite und am Sockel, Putz auf den geschützten Flächen. Plan den Materialwechsel dann bewusst an einer Gebäudekante, nicht mitten in einer Wandfläche.
Was kostet eine Klinkerfassade?
Die folgenden Spannen sind Richtwerte aus Fachhandel und Handwerk. Sie schwanken nach Steinqualität, Verband, Fugenausbildung und Region erheblich, und für eine belastbare Kalkulation brauchst du drei Angebote.
- Klassische Klinkerfassade, komplett mit Steinen, Mörtel, Ankern und Verarbeitung: meist 120 bis 200 € pro Quadratmeter. Die Steine allein reichen von etwa 40 € bei einfachen Sorten bis über 300 € bei Sonderformaten und Handformware. Der Lohnanteil liegt häufig zwischen 40 und 75 € pro Quadratmeter.
- Klinkerriemchen: Material etwa 30 bis 40 € pro Quadratmeter, Montage rund 50 bis 70 €, zusammen also ungefähr 80 bis 110 € pro Quadratmeter.
- Isolierklinker mit rückseitig verbundener Dämmplatte: Material meist 40 bis 60 € pro Quadratmeter. Die Montage ist aufwendiger als bei einfachen Riemchen. Die im Ausgangstext genannten 120 bis 150 € Montagekosten würden Isolierklinker teurer machen als eine komplette Klinkerfassade. Bitte die Quelle prüfen, bevor die Zahl online geht.]
Bei der klassischen Fassade fehlt in diesen Zahlen die Gründung. Im Neubau läuft sie über das ohnehin vorhandene Fundament mit, in der Sanierung nicht.
Nachträglich verklinkern: der teure Unterschied
Dass eine Verblendschale nicht trägt, heißt nicht, dass sie nichts braucht. Sie muss selbst aufgelagert werden. Bei einer nachträglichen Verklinkerung bedeutet das ein neues, frostfrei gegründetes Fundament vor dem Haus oder eine am Kellermauerwerk befestigte Auflagerkonsole. Dazu kommt eine Abdichtung zwischen Fundament und erster Steinlage. Fehlt sie, zieht Feuchte in Dämmung und Bestandswand.
Der zweite Punkt wird regelmäßig übersehen: Die Fassade wächst um 20 cm oder mehr nach außen. Reicht der Dachüberstand nicht mehr über die neue Wandflucht, muss er verlängert werden, sonst läuft das Traufwasser auf die frische Fassade.
Genau deshalb kommen im Bestand meist Riemchen oder Isolierklinker zum Einsatz. Sie brauchen kein Fundament, weil sie ihre Last über den Untergrund abtragen. Dafür gilt eine harte Regel: Riemchen werden nur in einem zugelassenen Systemaufbau verarbeitet. Sie einfach auf vorhandenen Dämmputz oder ein beliebiges WDVS zu kleben, geht schief, weil das Eigengewicht mit Fugenmörtel im Bereich mehrerer Dutzend Kilogramm pro Quadratmeter liegt. Kleber, Dämmplatte, Verdübelung und Riemchen müssen als System aufeinander abgestimmt und bauaufsichtlich zugelassen sein.
Wird bei der Gelegenheit gedämmt, greifen außerdem die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes an geänderte Bauteile. Welcher U-Wert konkret einzuhalten ist, hängt vom Umfang der Maßnahme ab und gehört vor die Angebotseinholung, nicht danach.
Wann im Bauablauf wird verklinkert?
Die Fassadenarbeiten kommen spät, nach Rohbau, Dach und Fenstereinbau, ungefähr zu dem Zeitpunkt, zu dem auch verputzt würde. Mörtel und Frost vertragen sich nicht, deshalb liegt Verklinkern bevorzugt in den wärmeren Monaten. Wenn dein Zeitplan den Rohbau in den Herbst schiebt, verschiebt sich die Fassade unter Umständen ins nächste Frühjahr, und das Gerüst steht so lange.
Die Verblendschale wird beim zweischaligen Aufbau übrigens nicht am Schluss draufgesetzt, sondern in der Regel mit dem Rohbau geschossweise hochgemauert, weil Anker und Abfangungen dazugehören. Wer im Angebot „Verklinkerung“ als separate spätere Position liest, sollte nachfragen, welche Konstruktion damit gemeint ist.
Wogegen du dich entscheidest
Für Klinker sprechen der wegfallende Anstrich, der Witterungsschutz und die Masse, die auch dem Schallschutz zugutekommt. Dagegen sprechen die höheren Anschaffungskosten, die dickere Wand und die Tatsache, dass eine Reparatur aufwendig ist. Ein Fugenriss oder eine undichte Stelle lässt sich nicht überstreichen, sondern muss aufgenommen werden, und farblich passende Steine nachzukaufen ist nach zehn Jahren Glückssache. Die Farbe deiner Fassade legst du mit dem Klinker für die Lebensdauer des Hauses fest. Das ist bei Putz anders, und für manche ist genau das der Ausschlag.
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Häufige Fragen
Für eine komplette Klinkerfassade mit Material und Verarbeitung liegen die Kosten meist zwischen 120 und 200 € pro Quadratmeter. Klinkerriemchen kommen inklusive Montage auf ungefähr 80 bis 110 €. In der Sanierung kommt bei der klassischen Variante das neue Fundament oder die Auflagerkonsole dazu, die in diesen Spannen nicht enthalten ist.
Rechnerisch entscheidet sich das an den eingesparten Anstrichen. Eine Putzfassade wird etwa alle zehn bis fünfzehn Jahre gestrichen, jedes Mal mit Gerüst. Klinker kostet in der Anschaffung mehr, verlangt danach aber nur Reinigung und irgendwann eine Fugensanierung. Gegen Klinker sprechen die dickere Wand, die aufwendigere Reparatur und die Farbe, die du nicht mehr änderst.
Ja, aber nicht ohne Weiteres. Eine echte Verblendschale muss aufgelagert werden, also braucht sie ein neues frostfreies Fundament oder eine Konsole am Kellermauerwerk, dazu eine Abdichtung unter der ersten Steinlage. Außerdem wächst die Fassade um 20 cm oder mehr nach außen, sodass der Dachüberstand oft verlängert werden muss. Deshalb fällt die Wahl im Bestand meist auf Riemchen oder Isolierklinker, die ohne Fundament auskommen.
Klinker bilden eine eigenständige Mauerwerksschale, üblicherweise 11,5 cm dick, die mit Ankern an der tragenden Wand hängt und auf einem Fundament oder einer Konsole steht. Riemchen sind dünne Scheiben, die auf den Untergrund geklebt werden. Optisch ist der Unterschied gering, konstruktiv ist er groß: Riemchen brauchen einen zugelassenen Systemaufbau aus Kleber, Dämmplatte und Verdübelung und dürfen nicht einfach auf vorhandenen Dämmputz gesetzt werden.

